Als die Macher des LiteraturCafés 2004 ihre ersten Veranstaltungen organisierten, dachten sie noch nicht an die großen Namen der deutschen Literaturszene. Man begann bescheiden und klein in der Gendarmerie, dem Bistro des Hotels Bayerischer Hof am Bahnhof in Bayreuth, mit einheimischen Schriftstellern und Schriftstellerinnen, Poeten und Vortragskünstlern: ein erster lokaler Poetry Slam, eine Kooperation mit der Schreibwerkstatt der Universität Bayreuth, oder Schauspieler des Bamberger E.T.A. Hoffmann-Theaters, die Sex & Crime als Vorlesestunde zelebrierten.

Doch schon bald wandte sich das LiteraturCafé Bayreuth der jungen Garde der deutschen Literatur zu. Ob Franziska Gerstenberg, damals Stipendiatin der Villa Concordia, Steffen Mensching, Shootingstar der jungen DDR- und späteren Wende-Literaturszene oder Michael Wildenhain, wichtigster Vertreter der jungen Literatur der 1970er Jahre – sie alle legten den Grundstein für das, was das LiteraturCafé in den Folgejahren ausmachte: Gegenwartsthemen, von jungen Autoren entsprechend zeitkritisch und zeitgenössisch verfasst, verbunden mit einer Aufführungspraxis, die jenseits der klassischen Lesungsatmosphäre mit Schreibtisch und Leselampe beginnt. Deswegen war 2005 bereits die Chaussee der Enthusiasten für zwei legendäre Auftritte an einem Tag in Bayreuth zu Gast: einmal im Schwimmbad des Hotels Bayerischer Hof und zwei Stunden später im Audimax der Universität Bayreuth, im Rahmen der ebenso legendären BAT-CampusGalerie-Ausstellung mit dem amerikanischen Fotografen Larry Sultan. Mit leichter Hand inszenierten Clemens Lukas und Fergus Wünschmann im Rahmen der Bayreuther Museumsnacht Das Stundenhotel der Literatur, das nahezu 800 Neugierige besuchten und auf einem gesamten Stockwerk im Hotel Bayerischer Hof in jedem Zimmer ein anderes literarisches Kleinod präsentiert bekamen – von Buchpräsentation, erotischer Lesestunde bis hin zu Installationen, Schauspiel und Poesie waren alle Facetten vertreten. Ungewöhnlich waren auch die LiteraturDinner in den Folgejahren, bei denen Kulinarik mit Literatur verwoben wurden. So wurde u.a. zu Jean Pauls Geburtstag in seiner ehemaligen Wohnstätte in der Friedrichstraße ein 3-Gänge-Menü aus seiner Zeit serviert. Der Abend wurde begleitet von Word-Performance der großartigen Nora Gomringer und mit Musik des Spieluhren-Komponisten Franz Tröger.

Das LiteraturCafé nahm so richtig Fahrt auf und es ging Schlag auf Schlag: Marion Poschmann, die Wiener Performancegruppe Grauenfruppe, Ulrich Ritzel, Nora Gomringer mit DJ-Begleitung und New York Poetry, Margit Schreiner, Robert Menasse mit vermeintlichem Veltliner, der sich als Riesling entpuppte, und Zigarette im Kleinen Haus der Stadthalle, der schreibende Saarbrücker Tatortkommissar Gregor Weber oder Martin Sonneborn traten auf die Leserampe. Dazu gesellten sich die Kluftinger Krimis, Clemens Meyer, die Isländerin Sigurborg Thrastadottir, deren zeitgenössische Poesie mit Werken nordischer Komponisten von Michael Dorn an der Orgel der Spitalkirche untermalt wurden, Harry Rowohlt, Wiglaf Droste, Deutschlands Kochblogger No. 1 Stevan Paul, der zudem ein Menü zum Buch servierte, Steffen Möller, Ron Winkler, Sascha Reh, Thomas Melle, Ulrich Peltzer, Navid Kermani u. v. m.

Und natürlich jede Menge Lesebühnen: LSD, Sax Royal, Titanic Boygroup, Surfpoeten, Chaussee der Enthusiasten, The Fuck Hornisschen Orchestra und deren Protagonisten Kirsten Fuchs, Jakob Hein oder Volker Strübing waren beim LiteraturCafé zu Gast. Letzterer wurde auf Vorschlag des LiteraturCafés zudem Bayreuther Stadtschreiber während des Jean-Paul-Jubiläumsjahres 2013.

Und dieses Jahr zum 10-jährigen Jubiläum schauen wir auf insgesamt 106 Veranstaltungen zurück. Diese doch stolze Zahl konnte aber auch nur erreicht werden, weil tatkräftige Support in Sachen Organisation und Pressearbeit durch KulturPartner. und in Sachen Marketing und visuelle Gestaltung durch intercorp. als Hauptsponsoren beigesteuert wurden. Zudem unterstützten die Buchhandlung Hugendubel, das Evangelische Bildungswerk, British American Tobacco, Hotel Bayerischer Hof, das Kulturamt der Stadt Bayreuth sowie die Gendarmerie das LiteraturCafé, um
performativer Literatur in Bayreuth eine Heimat zu geben.