Sascha Rehs in diesem Jahr erschienene Roman „Gibraltar” beginnt mit einem Zeitungsartikel aus dem April 2010. Auf sieben Seiten fasst der Beitrag die Vorgeschichte zusammen und stellt die wichtigsten Protagonisten des Romans vor, der 450 Seiten später auch wieder mit einer Zeitungsmeldung enden wird. Dazwischen entspannt sich auf 450 Seiten ein fulminantes Erzählstück über den Aufstieg und Fall einer Bankhauses während der Griechenlandkrise.

Es wird oft beklagt, dass Gegenwartsautoren einen Bogen um die großen gesellschaftlichen Probleme machen. Sascha Reh ist einer der wenigen, der es wagt, sich mit dem Geld beziehungsweise dessen Nichtvorhandensein zu beschäftigen. Der zweite Roman des jungen und hochgelobten Autors Sascha Reh nutzt dafür einen höchst spannenden Kunstgriff: Er erzählt die fiktive Geschichte aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Protagonisten mit einem psychologischen Scharfblick, der den Leser in den Bann und in die Abgründe der handelnden Personen hineinzieht. Sprachlich bietet der Roman ein außergewöhnliches Niveau: Einige Metaphern und sprachliche Bilder sind so gut, dass es sich gelohnt hätte, rund um sie herum einen ganzen Absatz zu erfinden, damit sie Teil der Handlung werden. Doch selbst ohne solche Finessen ist Gibraltar ein spannender, vielschichtiger, schlauer Roman, der zudem den Mut hat, das dominierende Thema dieses Jahrzehnts zu behandeln: die Bankrottisierung der Welt durch das Finanzwesen.

 Roman-Zitat: „Was hier gehandelt wurde, dachte er plötzlich konsterniert, waren Zahlen; es repräsentierte nichts. Die Substanz der Bank besaß nicht einmal den Gehalt eines Gedankens oder einer Idee, sondern bestand in nichts als Zahlenfolgen, die ihren Wert nur prahlerisch behaupteten, anstatt ihn durch irgendeine Referenz belegen zu können. Was hier unter Werten verstanden wurde, war geschichtslos und letztlich läppisch. Und nun standen jene erwachsenen Männer, die dieses absurde Spiel ernstlich zu ihrem Beruf gemacht und zu denen er einst gehört hatte, um einen Monitor herum und bestaunten, ratlos wie Kinder, Zahlen.“

Sascha Rehs Roman in diesem Frühjahr erschienene Roman stellt mit erzählerischer Leidenschaft und Präzision Fragen nach Schuld und Verantwortung für unser vergangenes und künftiges Leben – niemals mit erhobenem Zeigefinger, immer lakonisch und mit einer erzählerischen Brillanz, die in der jungen Literatur ihresgleichen sucht.
 
Vorverkauf: Hugendubel (Mo.-Sam. 9.30 -20 Uhr)
Eintritt: 5,– EUR
 
Blattschuss-Festpiel-Ticket für alle Veranstaltungen: 29,–EUR